Fakt über die Ausbildung im Seminar

Ausbildung

Schulen sind ein Ort, an dem junge Menschen nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern auch die Möglichkeit zur vielfältigen Entwicklung haben, seien es soziale oder künstlerische Kompetenzen oder sei es die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Dafür braucht es Lehrer, die nach Rudolf Steiner, „Menschen der Initiative im großen und kleinen Ganzen“ sind, die innerlich stets in Bewegung bleiben im lebendigen Prozess der Erziehungs- und Bildungsaufgabe der heranwachsenden Generation. Also Menschen, die bereit sind, sich mit ihren Schülerinnen und Schülern auf einen beweglichen, lebendigen Lernprozess einzulassen.

Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über die Möglichkeiten der berufsbegleitenden Ausbildung zur Waldorflehrerin bzw. zum Waldorflehrer im nordbayerischen Raum. Bei der Teilnahme am nordbayerischen Seminar handelt es sich um eine postgraduale Weiterbildung.

Struktur des berufsbegleitenden Seminars

Der Verein „Nordbayerische Seminare für Waldorfpädagogik e.V.“ wurde im April 2012 in Nürnberg gegründet. Sein Ziel ist die Förderung der Waldorfpädagogik durch das Angebot unterschiedlicher Ausbildungsmöglichkeiten in der nordbayerischen Region. Zum Seminare-Verbund des Vereins gehören

  • das Pädagogische Seminar an der Rudolf Steiner Schule Nürnberg mit einem einjährigen Vollzeitkurs und den Ausbildungszielen Klassenlehrer/Fachlehrer/Werklehrer
  • das Lehrer- und Erzieherseminar Würzburg mit einem dreijährigen berufsbegleitenden Kurs
  • das „Wanderseminar“ mit einem zweijährigen berufsbegleitenden Kurs plus Waldorfschulpraxis
  • die Berufsfachschule für Eurythmie Nürnberg

Diese Ausbildungsstätten und alle nordbayerischen Waldorfschulen sowie weitere waldorfpädagogische Einrichtungen (Kindergärten) bilden als korporative Mitglieder, neben persönlichen Mitgliedern, den Verein.

Im Vereinsorgan des Beirats nehmen die Mitgliedsschulen die Ausbildung des „Wanderseminars“ beratend und anregend wahr. Der Beirat ist zur Seminarleitung (Steuerungsgruppe) kooptiert.

Einen besonderen Stellenwert hat das „Wanderseminar“, das ein spezifisches Seminar des Vereins ist, während die anderen Seminare (s.o.) eigene Träger und eigene Satzungen haben. Mit dem „Wanderseminar“ setzen die Nordbayerischen Seminare für Waldorfpädagogik e.V. den Impuls der Waldorflehrer-Ausbildung in enger Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region.

In Satzung und Studienordnung werden alle organisatorischen und studienbezogenen Dinge geregelt. Das Leitungsgremium des „Wanderseminars“ wird durch die sog. Steuerungsgruppe gebildet, die sich aus dem vier-köpfigen Vorstand sowie ein bis zwei Dozenten des Seminars zusammensetzt, welche über Erfahrungen in der Selbstverwaltung verfügen und Dozenten in den Seminarkursen sind.

Über das „Wanderseminar“ hinaus bieten die Nordbayerischen Seminare für Waldorfpädagogik e.V. auch weitere Kurse an. So wurde in den Sommerferien eine vorbereitende Sommerwoche für Erstklasslehrerinnen und -lehrer sowie eine Einführungswoche für neue Oberstufenlehrerinnen und -lehrer eingerichtet. Auch ein Wochenende mit kunstpädagogischem Thema wurde bereits angeboten. Ziel bleibt es, Ausbildungsbedürfnisse in der Region wahrzunehmen und entsprechende Angebote im lebendigen Prozess der Entwicklung zu machen.

Seminarinhalte/Curriculum

Inhaltlich basiert die Ausbildung auf den Säulen

  • Grundlagenstudium der Menschenkunde, basierend auf den waldorfpädagogischen Texten Rudolf Steiners
  • methodisch-didaktische Seminarbesprechungen und -übungen
  • künstlerisch-praktische Kurse der Selbsterfahrung
  • mentorierte Einarbeitung in den einzelnen Schulen und eigene Unterrichtspraxis
  • schriftliche Reflexion der Waldorfpädagogik in der Seminararbeit

Die einzelnen Schwerpunkte sind in den:

  • Grundlagenkursen:

In diesen Kursen werden die anthroposophischen Grundlagen, also die Menschenkunde nach Rudolf Steiners, sowie Einblicke in die Theosophie und die Erkenntnistheorie nach der Goetheschen Weltanschauung vermittelt.

  • Methodisch-didaktische Kursen (tlw. getrennt für Unter- und Oberstufe):

Die methodisch-didaktischen Seminarkurse vermitteln in Kenntnisse von Lehrplan und Praxis der Waldorfschule, wobei die goetheanistischen Betrachtungsweise und  eine symptomatologische Erkenntnishaltung geübt und menschenkundliche Forschungen einbezogen werden.

Im zweiten Jahr werden darüber hinaus Einblicke in die Sozialgestalt einer selbstverwalteten Waldorfschule sowie das Konzept der Dreigliederung des sozialen Organismus (nach Rudolf Steiner) gegeben.

  • Künstlerischen Kursen:

Künstlerische Kurse in Eurythmie, Sprachgestaltung, Malen und Plastizieren finden epochenweise an aufeinanderfolgenden Seminarwochenenden statt.

Zielgruppe/Teilnahmevoraussetzungen

Für den berufsbegleitenden Kurs des nordbayerischen Seminars ist grundsätzlich eine Lehramtsqualifikation, also das 1. oder 2. Staatsexamen, notwendig, da diese Ausbildung eine postgraduale Weiterbildungsmaßnahme darstellt.

Es ist darüber hinaus aber auch möglich, mit einem anderen Hochschulabschluss teilzunehmen. In diesem Fall muss das studierte Fach einen schulischen Bezug haben und mit einem Mastergrad abgeschlossen worden sein. Wenn in Folge an der Freien Hochschule in Stuttgart der sogenannte „Diplomandenkurs“ – in zwei Blockkursen plus Diplomarbeit - besucht wird, kann mit dem dortigen staatlich anerkannten Diplom eine Genehmigungsfähigkeit als Waldorflehrer erreicht werden. Diese Möglichkeit sollte vor Eintritt ins nordbayerische Seminar mit der Hochschule in Stuttgart abgeklärt werden, die die erforderlichen und bisher erbrachten Studienzeiten, Masterstudium plus Wanderseminar, prüft.

Da der Diplomandenkurs berufsbegleitend durchgeführt wird, ist es in Bayern teilweise möglich, mit einer sogenannten. „Duldung“ schon eine Unterrichtstätigkeit an deiner Waldorfschule aufzunehmen. Dies wird allerdings in den einzelnen Regierungsbezirken unterschiedlich gehandhabt, daher sind manchmal nur Anstellungen als Assistenzlehrer möglich.

Ausbildung an der Schule

Als berufsbegleitender Kurs vor allem für neu an Waldorfschulen angestellte Kolleginnen und Kollegen kommt der schulischen Einarbeitung (Mentorierung) als Praxis-Ausbildung eine wesentliche Bedeutung zu. Im Unterschied zu anderen berufsbegleitenden Seminaren ist hier das Praxisjahr (entsprechend dem dritten Ausbildungsjahr) in den beiden Kursjahren bereits integriert. Hospitationen durch das Seminarkollegium sind auf Antrag möglich.

Die in den Schulen gemachten Beobachtungen und Einschätzungen durch den Mentor oder die Mentorin bzw. den Einarbeitungs­beauftragten können in die Gesamtbewertung des Abschluss-Diploms einfließen.

Externe Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mindestens 6 Wochen Schulpraktikum an einer Waldorfschule nachzuweisen. Dies ist durch die versetzten Ferienzeiten in den einzelnen Bundesländern, aber auch an einer bayerischen Schule möglich. Für externe Teilnehmer, die ein Abschluss-Zertifikat erhalten wollen, sind Hospitationen verpflichtend. Die Hospitationen im Umfang von mindestens 60 Stunden, möglichst fortlaufend, sind vom Seminaristen mit gezielter Fragestellung – nach Absprache – berichtsweise zu dokumentieren. Jedem Seminaristen wird ein Dozent als Ansprechpartner zugeordnet

Ablauf der Seminarwochenenden

Die Kurswochenenden sind so gelegt, dass die jeweils beiden Kurse – 1. Jahr und 2. Jahr – aus schulplanerischen Gründen meistens zeitgleich, aber an verschiedenen Waldorfschul-Orten, durchgeführt werden. Es gilt dabei der folgende Stundenplan:

Freitag    15:00 – 16:20 Grundlagen-Kurs
  16:30 – 18:00 Künstlerischer Kurs 1
  19:00    Abendbrotpause
  09:00 – 21:30 Methodisch-didaktischer Kurs
Samstag    09:00 – 10:30 Grundlagen-Kurs
  11:00 – 12:30 Methodisch-didaktischer Kurs
  12:30 – 14:00 Mittagspause
  14:00 – 15:20 Künstlerischer Kurs 2
  15:30 – 17:00 Methodisch-didaktischer Kurs

Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten werden jeweils von der Waldorfschule, an der das jeweilige Kurswochenende stattfindet organisiert. Dabei unterstützen die Beiräte des Seminars.

Abschluss der Ausbildung

Seminaristinnen und Seminaristen, die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Unterrichtstätigkeit an einer Freien Waldorfschule erfüllen und den Ausbildungsgang nach der Studienordnung absolviert haben, erhalten bei erfolgreicher Teilnahme ein Diplom.  Als Grundlage dafür sind die ordnungsgemäße Führung des Studienbuchs, die Teilnahme an vertiefenden Ausbildungsveranstaltungen, Praktika und Hospitationen sowie eine Seminararbeit erforderlich.

Geschichte/Entstehung des Seminars

Bei der Einrichtung des sog. „Wanderseminars“ im April 2012 war der leitende Gedanke, eine regionale und zugleich schulintegrative Waldorflehrer-Ausbildung zu initiieren. Zielgruppe sollten vornehmlich Kolleginnen und Kollegen sein, die bereits an einer nordbayerischen Waldorfschule eine Anstellung gefunden, aber bislang noch kein waldorfpädagogisches Studium absolviert haben. Ihnen einen berufsbegleitenden Wochenend-Kurs anzubieten, der auf die schulische Eingebundenheit, aber auch auf regionale Entfernungen eingeht, wurde mit dem Konzept des „Wanderseminars“ Rechnung getragen: indem die seminaristische Ausbildung in den neun Waldorfschulen  der Region – Coburg, Erlangen, Haßfurt, Hof, Nürnberg, Scheßlitz, Wendelstein, Wernstein, Würzburg – durchgeführt wird. So kommt in wechselnder Folge das Seminar immer wieder den Kolleginnen und Kollegen in der jeweils eigenen Schule entgegen und wird dort als Lehrerbildungsimpuls wahrgenommen.

Der Seminarkurs steht auch externen Teilnehmerinnen und Teilnehmern offen, die sich berufsbegleitend waldorfpädagogisch ausbilden wollen. Auch hier spielte der Gedanke der regionalen beruflichen und familiären Gebundenheit mancher der Interessenten eine Rolle.

FAQ

Welche Qualifikation muss ich für den berufsbegleitenden Kurs „Wanderseminar“ mitbringen?

Für den berufsbegleitenden Kurs des „Wanderseminars“ ist grundsätzlich eine Lehramtsqualifikation – 1. oder 2. Staatsexamen – mitzubringen. Die Ausbildung ist eine postgraduale Weiterbildungsmaßnahme. In Bayern etwa wird ein staatlicher Abschluss i.o. Sinn gefordert.

Es ist darüber hinaus aber möglich, mit einem anderen Hochschulabschluss teilzunehmen. In diesem Fall muss das studierte Fach einen schulischen Bezug haben und mit einem Mastergrad abgeschlossen worden sein. Wenn in Folge an der Freien Hochschule in Stuttgart der sogenannte „Diplomandenkurs“ – in zwei Blockkursen plus Diplomarbeit - besucht wird, kann mit dem dortigen staatlich anerkannten Diplom eine Genehmigungsfähigkeit als Waldorflehrer erreicht werden. Diese Möglichkeit sollte vor Eintritt ins „Wanderseminar“ mit der Hochschule abgeklärt werden, die die erforderlichen und bisher erbrachten Studienzeiten – Masterstudium plus Wanderseminar - prüft.

Da der Diplomandenkurs berufsbegleitend durchgeführt wird, ist es in Bayern möglich, mit widerruflicher Genehmigung (sog. „Duldung“) schon eine Unterrichtstätigkeit an deiner Waldorfschule aufzunehmen. Dies wird allerdings in den einzelnen Regierungsbezirken unterschiedlich gehandhabt.

Was kostet die Teilnahme am Kurs?

Die Kursgebühr für die zwei Studienjahre liegt derzeit bei € 2.400 für externe Teilnehmer. Ratenzahlungen für die Kursteilnahme sind möglich.Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits eine Anstellung in einer der Waldorfschulen gefunden haben, werden über die Mitgliedschaft der Schule finanziert.  Hinzu kommen für alle Unterkunft (in der Regel kollegial organisiert) und ein Verpflegungsbeitrag von € 10 je Wochenende.

Wann beginnt ein Kurs?

Der berufsbegleitende Kurs „Wanderseminar“ folgt den Schuljahres-Zeiten. Pro Schuljahr sind 10 Kurswochenenden angesetzt.

Beginn eines neuen Kurses ist ein Wochenende des Monats Oktober. Das jeweilige Datum wird im entsprechenden Kursprogramm angekündigt.

Da im zweijährig angelegten Seminar jeweils zwei Kurse parallel organisiert werden, ist im zweiten Jahr dann auch der September Kursmonat. Hier wird – in Berücksichtigung vieler schulinterner Veranstaltungen - im November einmal ausgesetzt.

Wie früh muss ich mich anmelden?

Kolleginnen und Kollegen, die an Waldorfschulen tätig sind, werden durch ihre Schulen angemeldet. Auch eigene Initiative ist erwünscht. Externe Teilnehmer können sich noch bis zum ersten Kurswochenende im Oktober anmelden.

Wohin kann ich mich mit Fragen zu Anmeldung, Studienordnung, Kursplan etc. wenden?

Die Geschäftsstelle des Nordbayerischen Seminars („Wanderseminar“) wird von der Rudolf Steiner Schule Nürnberg, Steinplattenweg 25, aus betreut. Ansprechpartner sind Frau Peggy Spitzhirn (Sekretariat, Telefon: 0911-5986 206) und Christoph Wegener, Pädagogisches Seminar, Telefon:   0911-5986 163). Die Anmeldung kann an nbs@waldorfseminar-nordbayern.de oder Fax 09131-614 97 99 gesendet werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden seitens der Geschäftsstelle regelmäßig mit aktuellen Informationen versorgt und können sich dorthin auch mit Fehlzeit-Ankündigungen (Entschuldigungen) u.a. Anliegen wenden.

Wie wird das Nordbayerische Seminar („Wanderseminar“) organisiert?

Da das „Wanderseminar“ Teil eines Seminare-Verbunds der Nordbayerischen Seminare für Waldorfpädagogik e.V. ist, zu dem die folgenden Seminare und Ausbildungsstätten gehören:

  • Pädagogisches Seminar an der Rudolf Steiner Schule Nürnberg (Vollzeit-Jahreskurs)
  • Waldorflehrer- und -erzieher-Seminar Würzburg (berufsbegleitender Kurs)
  • Wanderseminar (berufsbegleitender Kurs)
  • Eurythmieschule Nürnberg

besteht zunächst eine Vereinsstruktur mit entsprechender Registereintragung, Vorstand und Jahres-Mitgliederversammlung. Vereinssitz ist die Rudolf-Steiner-Schule Nürnberg, Steinplattenweg 25, 90491 Nürnberg.

Die eigentliche Seminarleitung wird durch die sog. „Steuerungsgruppe“ durchgeführt, der neben dem vierköpfigen Vorstand weitere ein bis zwei Dozentinnen oder Dozenten aus verschiedenen Schulen bzw. Seminaren angehören. Die Steuerungsgruppe arbeitet nach eigener Geschäftsordnung in regelmäßigen Treffen.

Die Seminarkonferenz aller Dozentinnen und Dozenten trifft sich turnusmäßig. Sie führt interne Fortbildungen der Dozentinnen und Dozenten durch, dient der gemeinsamen Reflexion der Kurse und berät über den jeweiligen Erfolg der Teilnahme.

Als weiteres Organ gibt es den Beirat der das Wanderseminar veranstaltenden nordbayerischen Waldorfschulen. Er setzt sich aus Delegierten der Schulen zusammen und trifft sich ebenfalls regelmäßig, um das Seminargeschehen zu begleiten und zu impulsieren. Ein Mitglied des Beirats ist am jeweiligen Kurswochenende in seiner Schule der „Gastgeber“ des Wanderseminars.

In den Kursen arbeiten die gewählten Kurssprecherinnen bzw. -sprecher mit Geschäftsstelle und Steuerungsgruppe zusammen. Sie übernehmen Teile der kursinternen Organisation (etwa Übernachtungen) und vertreten Interessen der Kurse bzw. einzelner Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer.

Das Nordbayerische Seminar ist Mitglied des Ausbildungsverbundes Bayern und der Seminarekonferenz der Berufsbegleitenden Seminare im Bund der Freien Waldorfschulen in Deutschland. 

Wie werden die Kurse des Wanderseminars organisiert?

Da in einem zweijährig angelegten Seminar zwei Kurse parallel (1. Jahr und 2. Jahr) stattfinden, wurde der Kursplan so angelegt, dass beide Kurse stets am selben Wochenende, aber verschiedenen Kursorten durchgeführt werden. Dies entlastet die Schulen, deren Kolleginnen und Kollegen dann nur einmal im Monat zu beurlauben sind.

Dies könnte so aussehen, dass etwa Wanderseminar 1 in der Waldorfschule Coburg und Wanderseminar 2 in der Waldorfschule Erlangen „gastieren“. Der Stundenplan ist jeweils gleich.

Sind Fehlzeiten kompensierbar?

Grundsätzlich gilt zur Diplomierung der Kursteilnahme die Teilnahme an mindestens 80 % der im Studienbuch zu dokumentierenden Kurs-Stunden. Bei Unterschreitung wird eine Teilnahme-Bescheinigung gegeben.

Es ist aber in Absprache mit der Dozentenkonferenz und der Steuerungsgruppe möglich, ein versäumtes Kurswochenende im Folgejahr nachzuholen, so dass bei Nachweis der belegten Kurs-Zeiten nachdiplomiert wird.

Ist ein Quereinstieg möglich?

Ein Quereinstieg ist – da der Kurs einem sich aufbauenden Curriculum folgt – nicht möglich. Hier verweisen wir auf den folgenden Kurs, der jeweils im Oktober beginnt. Eine verspätete Aufnahme ist unter gewissen Umständen möglich und wird im Einzelfall entschieden.

Wenn ich noch kein Lehrer bin und auch kein Lehramtsstudium nachweisen kann – kann ich durch das Wanderseminar zu einer Unterrichtsgenehmigung kommen?

Dies ist in der Form eines Ausbildungs-Mixes möglich. Das Diplom für eine Unterrichtsgenehmigung muss allerdings im Anschluss an bzw. parallel zur Teilnahme am Wanderseminar durch den Diplomandenkurs an der staatlich anerkannten Freien Hochschule Stuttgart erworben werden. Als Studienzeit angerechnet werden dann der bis dahin vorliegende akademische Abschluss (Mastergrad) in einem schulrelevanten Fach und die waldorfpädagogische Ausbildung im Wanderseminar plus Diplomandenkurs.

Es empfiehlt sich, dies vorab mit der Freien Hochschule Stuttgart abzuklären.

Wie sehen für einen externen Teilnehmer die Einstellungschancen in einer Waldorfschule aus?

Die Einstellungs-Situation für ausgebildete Waldorflehrer ist derzeit bundesweit sehr günstig, weil viele Schulen vor einer demografischen Umstellung durch Verrentungen stehen. Stellenangebote der Schulen finden sich monatlich in der Zeitschrift „Erziehungskunst“ (auch online aufrufbar), auf der Webseite des Bundes der Freien Waldorfschulen www.waldorfschule.de, bei der bayrischen LAG der Waldorfschulen www.waldorf-bayern.de oder auch beim Waldorfideenpool www.waldorf-ideen-pool.de.

Welche Leistungen muss ich zur Erreichung des Zertifikats (Diplom) erbringen?

Zunächst gilt die durch das Studienbuch belegte Teilnahme an den Kurswochenenden. Sie muss zu mindestens 80 Prozent nachgewiesen werden.

Abgesehen von persönlicher Vor- und Nachbereitung der Seminarkurse ist als Seminararbeit eine ca. 15 bis 20seitige schriftliche Arbeit vorzulegen, die sich aus waldorfpädagogischer Sicht mit einem frei gewählten Thema auseinandersetzt. Dies kann grundsätzlicher, aber auch unterrichtsreflektierender Art sein. Die Seminararbeit wird von einem erfahrenen Lehrer mentoriert und durch die Seminarkonferenz aufgrund seines Votums anerkannt.

Da die schulpraktische Berufseinführung ein Teil der Waldorflehrerausbildung des Wanderseminars ist, fließt auch das Votum der schulischen Mentoren in die Gesamtbewertung mit ein. Bei externen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gilt die Beurteilung der Schule, in der das Schulpraktikum absolviert wurde.

Wie sieht der schulpraktische Teil für externe Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus?

Externe Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mindestens 6 Wochen Schulpraktikum an einer Waldorfschule nachzuweisen. Dies ist durch die versetzten Ferienzeiten in den einzelnen Bundesländern, aber auch an einer bayerischen Schule möglich.

Als Oberstufenlehrer – was bringt mir das „Wanderseminar“?

Der Kursus des „Wanderseminars“ ist als aufbauende ganzheitliche Einführung in die Waldorfpädagogik zu verstehen. Dem Oberstufenlehrer mit seiner in der Regel fachspezifischen Qualifikation erschließt sich so - neben den Einführungen in oberstufengemäße Erkenntnisansätze  goetheanistischer und symptomatologischer Art - der gesamte schulische Weg der Waldorfschüler. Nach Rudolf Steiner „sei der Lehrer ein Mensch mit Interesse für alles weltliche und menschliche Sein“. In diesem Sinne steht der Waldorflehrer in der schulischen Selbstverwaltung und Verantwortung als Mitglied der Lehrerkonferenz in der ganzen Schule – von der ersten bis zur 13. Klasse. Die übliche Dreigliederung des Schulwesens und die damit verbundene Schulart-Trennung besteht in einer Waldorfschule nicht.

Das Wanderseminar bietet gleichwohl für Oberstufenkolleginnen und -kollegen spezifische Kurse zu Oberstufenthemen parallel zu den Klassenlehrer-Kursen an.

Kann ich mit einem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit das Wanderseminar besuchen?

Leider nein. Das „Wanderseminar“ ist keine zertifizierte Weiterbildungsmaßnahme nach AZAV.

Ist das Diplom des „Wanderseminars“ staatlich anerkannt?

In Bayern gelten für eine Unterrichtsgenehmigung nur staatlich anerkannte Abschlüsse.

Mit den „Grundsätzen der Zusammenarbeit der Schulen und Ausbildungsstätten im Bund der Freien Waldorfschulen“ (neu gefasst 2016)  haben sich aber alle Waldorfschulen in Deutschland im Sinne einer eigenen Qualitätssicherung verpflichtet, ihre Lehrer waldorfpädagogisch auszubilden bzw. nur mit entsprechend qualifizierten Lehrern zu arbeiten.

In einigen anderen Bundesländern wird aber mittlerweile für die Genehmigung eines Waldorflehrers neben den üblichen staatlich anerkannten Studienabschlüssen eine waldorfspezifische Ausbildung verlangt.

Muss ich Anthroposoph sein/werden, um an einer Waldorfschule zu arbeiten?

Nein. Die Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft ist eine freie Entscheidung eines jeden einzelnen für diesen Schulungsweg nach Rudolf Steiner. Sie wird nicht von einem Bewerber an einer Waldorfschule verlangt.

Da der waldorfpädagogischen Menschenkunde (Anthropologie) aber anthroposophische Erkenntnisse der Biografik zugrunde liegen und die Beachtung der Entwicklungsphasen des 2. und 3. Jahrsiebts (Schulzeit) für den Waldorflehrer grundlegend ist, ist es unumgänglich, sich mit der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik seminaristisch auseinanderzusetzen.

Im schulischen Unterricht sind seit Gründung der ersten Freien Waldorfschule 1919 in Stuttgart anthroposophische Inhalte untersagt. Darauf hat Rudolf Steiner das erste Lehrerkollegium verpflichtet.

Worin unterscheidet sich eigentlich Waldorfpädagogik von anderer Pädagogik?

Keine einfache Frage. Kurz gefasst könnte man sagen, dass das Ziel der Regelschul-Pädagogik mehr oder weniger eine Vorbereitung ist: non scolae sed vitae discimus. Lernen fürs Leben meint hier in der Regel das Berufsleben. Und mit der Förderung von Wissen, Verstehen und Kompetenzen kann man diesen Ansatz als eine im besten Sinne „Fitness-Pädagogik“ charakterisieren.

Waldorfpädagogik geht vom Gedanken der Entwicklungshilfe aus. Schule begleitet nach diesem Verständnis den heranwachsenden Menschen auf dem Weg zur Selbstkompetenz seines Lebens. Die Sinnfrage nach dem eigenen Selbst ist zunächst dem Lehrer und wird mehr und mehr dem zu persönlicher Freiheit reifenden Menschen bewusst. Pädagogik und Unterricht haben in diesem Individuationsprozess eine dienende, lauschende Angebots-Funktion zur altersgemäßen Reifung. Jeder Waldorflehrer ist sich bewusst, dass er das Ich des Schülers nicht modeln kann und darf.